Ängste





Angst zu sterben, als ich die Diagnose bekam, hatte ich nicht aber Angst davor was mich erwartet, die hatte ich schon. Lange Zeit harderte ich mit mir und wollte meine Ängste nicht eingestehen. Du weißt bestimmt von was ich spreche. Bei Gesprächen mit der Familie oder Freunden sprach ich nie über die Ängste die ich hatte denn, und das weiß ich jetzt, wollte ich nicht als die "Schwache" da stehen. 

Ich spielte meine Rolle der starken Frau die nichts erschüttern kann und innerlich weinte ich. Aber man spielt im Leben so viele Rollen das einem das gar nicht mehr auffällt, bis oben im Gehirn etwas passiert; ein Schalter wird betätigt und alles ist auf einmal anders. Ich merkte das an mir selbst, denn ich war nicht mehr die Wally, die Starke, sondern die Wally die jedem sagte was sie fühlte und was sie dachte. Diese Wally spielte die Rolle der Wally, ohne Schmuckbeiwerk.

Familie und Freunde mussten sich an die Person, die sie so nicht kannten gewöhnen. Manche konnten mit mir, so wie ich war nicht mehr umgehen, andere konnte ich, so wie Sie waren nicht mehr an meiner Seite ertragen. So wurde mein Freundeskreis kleiner, aber echter.

Die Ängste akzeptieren und dann versuchen sie zu bekämpfen ist leichter gesagt als es dann in Wirklichkeit geht. Ich habe mich zum Beispiel ein ganzes Jahr nicht in die Badewanne gestellt, geschweige denn gesetzt, da ich Angst hatte ich komme nicht mehr heraus. Durch die verschiedenen Wirbelbrüche war ich nicht mehr so gelenkig und kaum sprach das meiner Mutter an wegen der Wanne bekam ich Schweißausbrüche. 
Auch hatte ich lange Zeit Angst über die Straße zu gehen denn ich dachte immer ich komme nicht schnell genug rüber und rennen konnte ich sehr lange nicht. 

Das mit dem Rennen war am alleskomischsten. Bei fast jedem Spaziergang versuchte ich zu rennen. Man kann es sich nicht vorstellen aber ich nahm Anlauf, im Kopf, aber irgendetwas hielt mich immer wieder zurück. 

Ebenso war es mit dem Reisen. Ich war schon früher ewig unterwegs, schaute mir Museen an, Galerien oder war mal auf Städtetour. All das traute ich mich nicht mehr da ich immer diese Angst im Kopf hatte:"Was mache ich wenn mir Unterwegs was passiert?" Heute weiß ich das es Blödsinn ist so zu denken denn auch daheim kann einem genug passieren, aber damals, vor knapp zwei Jahren, fühlte ich mich am wohlsten in meinen vier Wänden oder bei meiner Mutter.

Die erste größere Reise war zur Reha Klinik und dann zu meiner Schwester nach Serbien, Novi Sad.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen das man nichts überstürzen sollte. Alles kommt mit der Zeit wieder in Ordnung wenn man sich nicht verschließt sondern es zulässt. Alles braucht seine Reife-Zeit, wie eine Rose die erst ihre Knospen bildet und dann erblüht.